EX-Richter in Haft wegen Missbrauch

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Orf.at vom 17.9.2010

7.5.2011: AKTUELL: Missbrauchsopfer plötzlich auf mysteriöse Weise verstorben - Krankenhaus vertuschte den Tod

Lebt man gefährlich, wenn man Richter strafrechtlich belastet?


Seltsame Todesfälle häufen sich - meist im Zusammenhang mit Kritik oder Beschuldigungen der Justiz oder Polizei


Inhaltsverzeichnis

Missbrauchsverdacht: Ex-Richter verhaftet

Gemeinsam mit oö. Behörden ermittelt die Grazer Polizei in einem Missbrauchsfall: Ein 15-jähriges Mädchen aus Oberösterreich soll in der Grazer Wohnung seiner Großeltern u. a. von einem ehemaligen Richter missbraucht worden sein.

Hausdurchsuchungen in Graz

Wie die "Kleine Zeitung" am Freitag berichtet, soll die 15-Jährige jahrelang von mehreren Personen missbraucht worden sein. Beim Landeskriminalamt Steiermark bestätigt man, dass Beamte des Landeskriminalamtes im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wels Hausdurchsuchungen in Graz durchgeführt haben - wie viele, wo und wann, darüber herrscht absolutes Stillschweigen.


Großeltern und Nachbarn festgenommen

Allerdings ist klar, dass bei diesen Hausdurchsuchungen einiges gefunden worden sein muss - ansonsten hätte es wohl nicht vier Verhaftungen - darunter soll ein pensionierter Grazer Richter sein - gegeben, bestätigt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wels, Manfred Holzinger.


Missbrauch in Wohnung der Großeltern

Es geht um den Verdacht, dass eine 15-jährige Oberösterreicherin in der Wohnung ihrer Großeltern über Jahre missbraucht worden sein könnte. Das Mädchen wird derzeit in der Landesnervenklinik in Linz behandelt - dort bestätigten Ärzte den Verdacht auf Kindesmissbrauch.


Ärzte erstatteten Anzeige

Die Jugendliche leidet laut den behandelnden Ärzten unter extremen psychischen Belastungszuständen, ausgelöst durch schwere Traumatisierungserfahrungen. Laut der Klinikleitung ist die 15-Jährige schon länger in Therapie; dabei dürfte sie von den Vorfällen bei ihren Großeltern in Graz erzählt haben, die Ärzte erstatteten dann schließlich Anzeige wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch - so kam der Fall ins Rollen.


Vorerst keine weiteren Stellungnahmen

Zudem wurde ein gerichtliches Gutachten über den Gesundheitszustand des Mädchens in Auftrag gegeben. Weitere offizielle Stellungnahmen oder Erklärungen gibt es derweil aber im Sinne des Opferschutzes nicht, so Holzinger weiter.


Kleine Zeitung - Bericht vom 17.9.2010

Tatort Graz

Das junge Mädchen aus Oberösterreich soll schon als Kind missbraucht worden sein. Der vermeintliche Tatort: Die Wohnung der Großeltern in Graz. Immer wenn das Mädchen ihre Oma und ihren Opa besucht hatte, soll es zu Übergriffen gekommen sein. Kürzlich wurde die 15-Jährige in das Linzer Krankenhaus eingeliefert. Dort habe sich der Verdacht auf Kindesmissbrauch ergeben, verlautet aus inoffiziellen Quellen.

Am Wochenende wurden in Graz unter strengster Geheimhaltung mehrere Hausdurchsuchungen durchgeführt. Unter der Leitung einer Staatsanwältin aus Wels suchten Beamte des Landeskriminalamtes bei den Großeltern und zwei Nachbarn nach Beweismitteln. Einer dieser Nachbarn ist ein pensionierter Grazer Richter.


Festgenommen

Er befand sich zum Zeitpunkt der Hausdurchsuchung auf Urlaub in Frankreich. Als er hörte, dass gegen ihn ein Festnahmeauftrag der Staatsanwaltschaft Wels besteht, trat er unverzüglich die Heimreise an. Am Mittwoch dieser Woche wurde er einvernommen. Danach soll er in die Justizanstalt Graz-Jakomini überstellt worden sein. Dort befinden sich seit vergangenem Wochenende auch die Großeltern des Mädchens und der zweite Nachbar. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Manfred Holzinger, bestätigte am Freitag, dass "vier Verdächtige - darunter auch der ehemalige Richter - in U-Haft sind". Die Ermittlungen werden nun weitergeführt. Nähere Angaben könne die Staatsanwaltschaft aus Gründen des Opferschutzes nicht machen.


Angeblich sollen mit dem möglichen Missbrauchsfall noch weitere Personen in Verbindung gebracht worden sein. Darüber hüllen sich die Behörden aber in Schweigen. Die Ermittlungen laufen streng geheim. Dennoch sickerten am Donnerstag Informationen durch. Es könnte sich, falls sich die Angaben des Opfers bestätigen, um einen der größten Missbrauchsfälle der vergangenen Jahre handeln, sagte ein Insider zur Kleinen Zeitung. Die Staatsanwaltschaft hat ein gerichtliches Gutachten über den Gesundheitszustand des Mädchens in Auftrag geben.


Kurier Bericht vom 17.9.2010

Die Nachricht schlug in Justizkreisen ein wie eine Bombe.

Ein pensionierter Grazer Strafrichter, 70, soll Teil eines Täterkreises sein, der ein Kind missbraucht hat. Das Mädchen, heute 16 Jahre alt, belastet auch ihre Großeltern sowie zwei weitere Grazer.

Kleinster gemeinsamer Nenner: Die noble Wohngegend in Graz-Waltendorf, wo man nachbarschaftliche Beziehungen pflegte. Die Oberösterreicherin hatte die Ferien oft in Graz verbracht.


Behörden rigoros

Die Welser Justiz ermittelt. Dort fackelte man nicht lange. Opa und Oma sitzen genauso in U-Haft wie ein Nachbar - und der Ex-Richter. Der fünfte Mann wird noch gesucht.

Das pubertierende Mädchen behauptet, es sei seit seinem sechsten Lebensjahr für sexuelle Spiele verkauft worden. Das Opfer will gesehen haben, wie Geld seine Besitzer wechselte.

Die Oberösterreicherin wird in der Psychiatrie behandelt und ist schwer traumatisiert.

"Die Patientin leidet an extremen psychischen Belastungszuständen", bestätigt der Jugendpsychiater und Primar Werner Leixnering von der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg in Linz. Die Symptome würden darauf schließen lassen, dass sie Dinge erlebt habe, die zu diesen massiven Problemen führten. Die Jugendliche soll nicht akut aufgenommen worden sein, sondern schon mehrere Wochen in Behandlung stehen. "Das Mädchen hat sich erst jetzt durchgerungen, von den Übergriffen zu erzählen", sagt Leixnering. Mit einem Gutachten müsse geklärt werden, ob seine Aussagen im Detail stimmen.


Der Fall birgt noch Ungereimtheiten: Die Oma soll ihr Enkerl verkauft haben? Bei Therapien kämen zuweilen bizarre Ergebnisse heraus, verweist der Grazer Psychiater Peter Hoffmann ganz allgemein auf das sogenannte "false memory syndrome" hin. Pseudoerinnerungen werden dabei ans Tageslicht gebracht. "Es gibt manchmal traumatologische Erinnerungsverzerrungen", ergänzt der Grazer Psychologe Roland Bugram.


Haftprüfung

Der Richter genießt einen tadellosem Ruf. "Mein Mandant wurde wegen Tatbegehungsgefahr in Untersuchungshaft genommen, obwohl der Deliktszeitraum Jahre zurückliegen soll", wundert sich der Linzer Rechtsanwalt Wolfgang Moringer. Die Vorwürfe seien absurd. Moringer hofft, dass sich die Verdachtslage bis zur Haftprüfung in der kommenden Woche klären lässt. Der Exrichter werde einmal zu einem konkreten Zeitpunkt belastet, wo er nachweislich im Ausland weilte und ein Alibi hat.

In Graz wurden Hausdurchsuchungen gemacht, Computer, Fotos, Terminkalender, Filme beschlagnahmt. Ob es handfeste Beweise gibt, verrät die Welser Justiz nicht. Der Fall dürfte, falls die Angaben des Mädchens stimmen, noch viel weitere Kreise ziehen.


Artikel vom 17.09.2010 12:00 Ulrike Jantschner, Jürgen Pachner


Salzburger Nachrichten -Bericht 18.9.2010

15-Jährige soll jahrelang gequält worden sein

18. September 2010 graz/wels

Im Grazer Missbrauchs-Verdachtsfall rund um eine heute 15-jährige Oberösterreicherin hat es von der Staatsanwaltschaft Wels vorerst keine weiteren Informationen gegeben. Medien berichteten am Samstag von "Massenvergewaltigungen", das Mädchen sei jahrelang von vier Verdächtigen gequält und missbraucht worden. Das mutmaßliche Opfer hatte sich vor etwa 14 Tagen in Linz einer Betreuerin anvertraut.


SN-Standpunkt: Diskret wenn’s um Richter geht

 Nur durch eine Indiskretion gelangte das Martyrium eines 15-jährigen Mädchens an die Öffentlichkeit, das jahrelang
 sexuell missbraucht worden sein dürfte. Die Staatsanwaltschaft begründet ihr Schweigen mit dem Argument des Opferschutzes. 

Daraufhin war Anzeige erstattet worden. In den vergangenen Tagen wurden die Großeltern der Jugendlichen und zwei Nachbarn - einer davon soll ein pensionierter Richter sein - festgenommen. Die Verdächtigen sollen mittlerweile in der Justizanstalt Wels in U-Haft sein. Dies wurde vom Sprecher der Staatsanwaltschaft Wels, Manfred Holzinger, am Samstag gegenüber der APA nicht bestätigt: „Über den Aufenthaltsort machen wir keine Angaben.“

Medienberichten zufolge soll die Staatsanwaltschaft ein gerichtliches Gutachten über den Gesundheitszustand des Mädchens in Auftrag gegeben haben. Laut „Kleine Zeitung“ vom Samstag meinte einer der Rechtsanwälte der Beschuldigten, der Linzer Jurist Wolfgang Moringer, man gehe von gezielten „Lügen“ des Mädchens aus. Die Tageszeitung schrieb weiters, im Haus der Großeltern in Graz soll es „sogar wiederholt zu Massenvergewaltigungen“ gekommen sein. Man habe dem Mädchen die Augen verbunden. Mehrere Männer hätten ihr Gewalt angetan und sie mit brennenden Zigaretten und anderen Gegenständen gequält, soll die Betroffene ausgesagt haben. Auch in Oberösterreich soll das Mädchen missbraucht worden sein.


Die Salzburger Nachrichten berichteten, die junge Frau behaupte, sie sei für sexuelle Spiele verkauft worden. Das Opfer will demnach gesehen haben, wie Geld den Besitzer wechselte. Laut der Tageszeitung „Der Standard“, die sich auf Justizkreise berief, beziehe sich der Verdacht auf jeden Fall auf „schweren Missbrauch“. Eine Informantin habe gesagt, ihr sei schlecht geworden, als sie sich die Berichte durchgelesen habe.


„Absolut krank und widerwärtig“

Bericht orf.at vom 18.9.2010

Normalerweise halten Behörden mit Erfolgen bei der Aufklärung von Sexualverbrechen nicht hinter dem Berg. Nicht so im Fall von angeblich jahrelangem systematischem Kindesmissbrauch einer heute 15-Jährigen. Das Schweigen der Behörden in diesem Fall lässt auch Vermutungen laut werden, es könnte um einen Missbrauchsskandal von ungeahnten Ausmaßen gehen.

Die bisher bekanntgewordenen Details zu dem Fall werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten. So hatte erst ein Bericht der „Kleinen Zeitung“ am Freitag den Fall aufgedeckt - obwohl schon am Wochenende zuvor Hausdurchsuchungen und Verhaftungen stattgefunden hatten. Erst am Samstag bestätigten die Behörden zudem, dass seit Mittwoch auch ein pensionierter Grazer Richter in U-Haft ist.


Schockierende Angaben von Mädchen

In Medienberichten wurde der Verdacht laut, der Fall sei wegen der möglichen Beteiligung des Ex-Richters geheim gehalten worden. In den „Salzburger Nachrichten“ („SN“, Samstag-Ausgabe) hieß es etwa, die Staatsanwaltschaft sei nur dann „diskret, wenn’s um Richter geht“. In anderen Berichten wurde angedeutet, es gebe zu dem Fall keine Informationen, weil es sich um ein weit größeres Verbrechen handle als bisher angenommen.

„Der Standard“ (Wochenendausgabe) zitierte etwa eine anonyme Informantin aus dem Justizbereich mit den Worten: „Mir ist schlecht geworden, als ich mir das durchgelesen habe, ich habe gedacht, der Fall Fritzl ist ein Einzelfall - das ist absolut krank und widerwärtig, was da passiert ist.“ Seit dem Vorschulalter soll die heute 15-Jährige von ihren Großeltern gequält und sexuell missbraucht worden sein.


Vorwürfe frei erfunden?

Die Taten sollen immer dann stattgefunden haben, wenn das Mädchen unter der Obhut der Großeltern stand - in den Ferien im Grazer Haus der beiden und, wenn die Eltern verreist waren, auch in der oberösterreichischen Heimat des mutmaßlichen Opfers. Unklar ist, ob möglicherweise auch die Geschwister des Mädchens missbraucht wurden.


Laut den „Salzburger Nachrichten“ (Samstag-Ausgabe) haben die Großeltern das Mädchen gegen Geld auch anderen Tätern zugeführt. Von Massenvergewaltigungen und sadistischen Orgien ist die Rede, bei denen das Mädchen auch schwer verletzt worden sein soll. Der Anwalt des Ex-Richters erklärte jedoch, das Mädchen habe die Vorwürfe frei erfunden.


Behörden tragen zu Verwirrung bei

Aus der Sicht der Betreuer des Mädchens in der Landesnervenklinik Linz sind die Angaben jedoch ernst zu nehmen. Auch wurde offenbar bei den Hausdurchsuchungen vor einer Woche entsprechendes Beweismaterial sichergestellt, das die Verhaftungen gerechtfertigt hat. Die Behörden tun aber vorerst nichts, um diese Widersprüche aufzuklären - im Gegenteil.

Offiziell will man bei der Welser Staatsanwaltschaft nicht einmal bestätigen, dass die Verdächtigen von Graz nach Wels überstellt wurden. Auch, warum die Grazer Ankläger nicht ermitteln, bleibt weiter unklar. In Graz wird darauf verwiesen, dass auch Wels ein möglicher Tatort sein könne. In Wels schweigt man dazu. Offensichtlich gibt es laut dem „Standard“ derzeit auch keine polizeiliche Ermittlungen in Oberösterreich.

Bericht Kronenzeitung

Die angeblich traumatische Kindheit, die eine 15-Jährige in der Linzer Wagner-Jauregg-Klinik mit einer Psychologin aufarbeitet, hat in der steirischen Landeshauptstadt Graz zu vier Verhaftungen geführt. Die Großeltern, ein pensionierter Richter (den das Opfer aber falsch beschreibt) und ein Sachverständiger sollen das Mädchen jahrelang sexuell gequält haben.


"Die Jugendliche litt unter schweren psychischen Belastungssymptomen", erläutert Primarius Werner Leixnering von der Linzer Wagner-Jauregg-Klinik, "sie hat von sich aus angefangen, über ihre Kindheit zu reden. Daraufhin haben wir, wie es auch im Gesetz steht, die Justizbehörde informiert."

Bei Graz-Besuchen missbraucht?

Danach ging es Schlag auf Schlag: Das für den Wohnort der 15-Jährigen zuständige Gericht in Wels übernahm den Fall, Staatsanwältin Silke Maierhofer beauftragte nach den Einvernahmen das Landeskriminalamt Steiermark mit vier Verhaftungen. Die Großeltern des Opfers und zwei ihrer Nachbarn - ein gerichtlich beeideter Sachverständiger sowie ein pensionierter Richter - wurden kurz befragt und danach in das Gefangenenhaus Wels überstellt.

Alle Verdächtigen sehen sich mit dem Vorwurf der 15-Jährigen konfrontiert, dass sie von ihnen über viele Jahre hinweg bei jedem Graz-Besuch auf eine abscheuliche Weise sexuell gequält worden wäre.


Anwalt: "Haft unverständlich"

Der Linzer Anwalt Wolfgang Moringer, der den Ex-Richter vertritt, glaubt, dass alle Inhaftierten das Opfer von sexuellen Phantasien geworden sind: "Mein Mandant hat das Mädchen einmal gesehen und war bei den Großeltern einmal zum Kaffee eingeladen. Den vierten Verdächtigen kennt er gar nicht! Die Hausdurchsuchung, auch die Überprüfung des Computers, hat keine Anhaltspunkte auf sexuelle Aktivitäten ergeben. Die Haft ist unverständlich."


orf.at: Informationssperre zu Missbrauchsvorwürfen

20.9.2010

Die Welser Justiz hält ihre Informationssperre zu den schwerwiegenden Missbrauchsvorwürfen weiterhin aufrecht, die ein Mädchen aus OÖ geäußert hat. Die heute 16-Jährige wird seit längerem in der Landes-Nervenklinik behandelt.

Aufgrund ihrer Aussagen sind ihre in Graz lebenden Großeltern sowie zwei Nachbarn der Großeltern in Untersuchungshaft genommen worden, darunter auch ein pensionierter Grazer Strafrichter.


Heftige Spekulationen

Ihnen wird vorgeworfen, das Mädchen vor etwa zehn Jahren misshandelt und missbraucht zu haben. Laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Wels sei alles bekannt gegeben, was bekanntzugeben sei.

In Medienberichten wird seit Bekanntwerden des Falles heftig spekuliert, Fakten sind bisher allerdings kaum bekannt.


Bericht OOENachrichten vom 29.9.2010

WELS/GRAZ. Gegen die vier Grazer, die eine 16-jährige Oberösterreicherin jahrelang missbraucht haben sollen, bestehe weiter dringender Tatverdacht. Mit dieser Begründung verlängerte die Welser Justiz gestern die Untersuchungshaft gegen einen Ex-Richter (70), die Großeltern des Mädchens und einen Ex-Gerichtsgutachter für Gartenbau (75).


Die vier Verdächtigen, die seit zwei Wochen in Untersuchungshaft sitzen, müssen somit einen weiteren Monat im Gefängnis bleiben. „Ich lege gegen diese Entscheidung Beschwerde beim Oberlandesgericht ein“, sagt der Linzer Rechtsanwalt Wolfgang Moringer den OÖNachrichten. Auch seine Anwaltskollegen wollen sich nicht mit der U-Haftverlängerung abfinden. Laut dem Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Wels, Manfred Holzinger, wird es vorerst drei U-Haft-Beschwerden geben. Ein Verdächtiger erbat Bedenkzeit.

Das 16-jährige Mädchen, das seit Jahren in psychiatrischer Behandlung ist, und nun im Linzer Wagner Jauregg Krankenhaus liegt, hatte gegenüber einer Betreuerin im Spital von Massenvergewaltigungen gesprochen. Das Krankenhaus erstattete daraufhin Anzeige. Weil der Wohnort des mutmaßlichen Opfers im Zuständigkeitsbereich des Landesgerichts Wels liegt, werden die Ermittlungen von diesem geleitet. Das Mädchen wurde nach seinen Angaben seit seinem sechsten Lebensjahr über mehrere Jahre hinweg missbraucht, wenn es zu den Großeltern nach Graz zu Besuch kam. Die beiden anderen Verdächtigen sind Nachbarn.

„Die beiden Schwestern der 16-Jährigen waren auch oft mit. Sie haben aber nie etwas Verdächtiges wahrgenommen“, sagt Moringer. Er ist von der Unschuld seines Mandanten überzeugt. Dennoch hat er mit Verlängerung der U-Haft gerechnet. „Gerichte neigen in solchen Fällen dazu, den mutmaßlichen Opfern zu glauben, auch wenn es Zweifel gibt“, sagt der Linzer Anwalt. Er hat einen Gutachter beauftragt, den Fall aufgrund des Akteninhalts einzuschätzen. „Ich habe erst eine mündliche Stellungnahme erhalten, die besagt, dass die Vorwürfe des Mädchens mit übergroßer Wahrscheinlichkeit nicht stimmen“, sagt Moringer und fügt hinzu: „Nur wenn das vom Gericht in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten zu einem anderen Schluss kommt, werde ich den Gutachter um schriftliche Stellungnahme ersuchen.“

Bei Hausdurchsuchungen wurde, wie bisher bekannt wurde, nichts Belastendes gefunden.


Bericht OOEN vom 17.2.2011 Kindesmissbrauch: Gutachten entlastet Großeltern und Ex-Richter

LINZ. Fast fünf Monate, nachdem vier Verdächtige wegen Missbrauchs einer 16-Jährigen aus dem Bezirk Vöcklabruck im Gefängnis landeten, werden sie durch ein Gutachten entlastet.


Die Expertise der forensischen Psychiaterin Heidi Kastner ist umfangreich. 111 Seiten umfasst sie, vier Mal so viel wie in den meisten anderen Missbrauchsfällen. Viele Aspekte mussten berücksichtigt werden, um zum Schluss zu kommen, dass die Aussagen des Mädchens, es sei Opfer von Massenvergewaltigungen geworden, wohl nicht stimmen.

Aber nicht, weil das schwer traumatisierte Mädchen gelogen hat, um sich etwa wichtig zu machen. Von einem „false memory syndrom“ ist die Rede. Demnach glaubt das Opfer selbst, dass ihm all das Schreckliche passiert sei, obwohl das nicht der Realität entspricht. Ausgelöst kann diese „Pseudoerinnerung“ durch Stress, Krankheit oder Suggestion bei Therapien werden. Die Staatsanwaltschaft Wels gab sich gestern bedeckt. Die zuständige Staatsanwältin müsse das Gutachten erst einmal lesen, sagt Behördensprecher Manfred Holzinger.

Wolfgang Moringer, der Linzer Verteidiger des beschuldigten Ex-Richters aus Graz sichtete die Expertise gestern und sagt den OÖN: „Diese bestätigt den Eindruck, den ich bei der Einvernahme des Mädchens gewonnen habe. Das vorliegende Gutachten wird zur kurzfristigen Einstellung des Verfahrens führen müssen.“ Anwalt Friedrich Schwarzinger aus Wels, der die Großeltern und einen weiteren beschuldigten Nachbarn verteidigt, sagt: „Wieso muss eine U-Haft verhängt werden, wenn es außer dieser Vorwurfsgeschichte keine objektivierten Indizien gibt?“


Schadenersatzklage

Er erwägt eine Schadenersatzklage gegen die Landesnervenklinik Wagner-Jauregg, wo das Mädchen in Therapien den Vorwurf geäußert hatte. Spitalsärzte hatten daraufhin Anzeige erstattet. „Die Sache nahm im Wagner-Jauregg ihren Ausgang und diese wurde dort nicht professionell gehandhabt“, sagt Schwarzinger.


Bericht OOEN 9.5.2011: Mutter attackierte Gutachterin: „Glaubwürdigkeit untergraben“

Vordergründig dreht sich der Fall der unter ungeklärten Umständen im Wagner-Jauregg-Krankenhaus verstorbenen Barbara Y. (17) aus dem Bezirk Vöcklabruck um den Verdacht eines ärztlichen Behandlungsfehlers. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen fahrlässiger Tötung.


Der Hintergrund dieses Falles ist höchst nebulos.

Das Mädchen war seit Monaten in der Nervenklinik in Behandlung gewesen, hatte in Therapien einen haarsträubenden Missbrauchsvorwurf geäußert. Das Strafverfahren gegen vier Verdächtige verlief bisher ergebnislos. Offiziell ist das Prozedere gegen sie aber noch nicht abgeschlossen. Der Akt liegt im Justizministerium. Es gab Widersprüche und im Februar eine Expertise der forensischen Psychiaterin Adelheid Kastner, die die Aussagen des Mädchens als „Phantasien“ einstufte.

Pikant: Kastner ist selbst Primaria in der Landesnervenklinik, hat also in ihrem Gutachten der Meinung der eigenen hausinternen Kollegen widersprochen. Die bleiben nämlich dabei: Die posttraumatischen Störungen des Mädchens seien so massiv gewesen, dass von Gewalterlebnissen in der Vergangenheit klar auszugehen sei. Das hat gestern auch die gespag-Sprecherin Jutta Oberweger neuerlich untermauert. Sie übernahm das mediale Krisenmanagement. Der ärztliche Leiter der Landesnervenklinik, Werner Schöny, war für Stellungnahmen nicht erreichbar.

Aber ob die vier des Missbrauchs Verdächtigen, die Großeltern sowie deren zwei Nachbarn, wirklich die Schuldigen an einem sexuellen Missbrauch sind?

Über die Austria Presse Agentur (APA) meldete sich am Wochenende die Mutter der Toten zu Wort. Der psychische Verfall ihres Kindes hänge auch damit zusammen, dass Barbaras Aussagen kein Glauben geschenkt worden sei. Die Gutachterin Kastner sei für die Glaubwürdigkeitsexpertise „nicht geeignet“ gewesen. Es seien auch die behandelnden Ärzte nie um eine Stellungnahme zu dem Gutachten gebeten worden, kritisierte die Mutter. Kastner selbst kann aus rechtlichen Gründen nicht näher auf diese Kritik eingehen. Dies wäre Sache der Staatsanwaltschaft Wels.

Festzuhalten ist aber, dass die junge Frau nicht an dem Gutachten starb, sondern an Leberversagen infolge eines künstlichen Tiefschlafes verstorben ist. OÖN-Recherchen gestalteten sich in dem Fall stets schwierig. Datenschutz, Amtsgeheimnis und das Wahren von Persönlichkeitsrechten bilden die Mauern des Schweigens der offiziellen Stellen. Wichtiger wäre wohl jetzt Transparenz.

Die Mutter ließ am Wochenende der Öffentlichkeit ausrichten, der Missbrauch habe stattgefunden, als das Kind zwischen fünf und zwölf Jahre alt war. Warum ihr selbst in dieser Zeit nichts aufgefallen ist, hat die Frau nicht dazu gesagt. (staro)

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